Das Strafregister ist ein grundlegendes Register, das rechtskräftige Verurteilungen dokumentiert und erhebliche Auswirkungen auf das Leben einer Person hat. Artikel 175 des Strafgesetzbuches sieht den Vorteil der "Nichtnennung der Verurteilung" vor, der unter bestimmten Bedingungen die Aufnahme der Verurteilung in von Privatpersonen angeforderte Bescheinigungen verhindert. Dessen Gewährung ist nicht automatisch, sondern erfordert eine richterliche Beurteilung des Verhaltens des Verurteilten. Der Oberste Kassationsgerichtshof hat mit Urteil Nr. 22356 vom 21. Mai 2025 eine entscheidende Klarstellung zu den Beurteilungskriterien geliefert und die Relevanz von früheren Einstellungs- oder Nichtbestrafungsentscheidungen wegen besonderer Geringfügigkeit der Tat hervorgehoben.
Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs im Fall von L. M. wies eine Berufung gegen die Entscheidung des Berufungsgerichts von Ancona zurück. Das Urteil konzentriert sich auf die Auslegung von Artikel 133 des Strafgesetzbuches, der die Kriterien für die Strafzumessung und damit auch für die Beurteilung von Vorteilen wie der Nichtnennung festlegt. Zu den Elementen gehören die Schwere der Straftat, die kriminelle Neigung des Täters, die Motive, der Charakter und das Verhalten vor und nach der Straftat. Die Kassation innoviert, indem sie ausdrücklich auch richterliche Entscheidungen als Faktoren einbezieht, die, obwohl sie keine rechtskräftigen Verurteilungen sind, auf ein früheres rechtswidriges Verhalten, wenn auch von geringerer Schwere, hinweisen.
Der vom Gerichtshof aufgestellte Schlüsselgrundsatz ist in folgender Lehre zusammengefasst:
Im Bereich der Nichtnennung der Verurteilung im Strafregisterzeugnis stellt die Einstellungsentscheidung oder die Nichtbestrafung wegen besonderer Geringfügigkeit der Tat ein zu berücksichtigendes Element gemäß Art. 133 StGB dar, um die Anerkennung des Vorteils auszuschließen.
Diese Feststellung klärt, dass Sachverhalte wie die Einstellung (Art. 409, 411 StPO) oder die Nichtbestrafung wegen besonderer Geringfügigkeit der Tat (Art. 131-bis StGB), obwohl es sich nicht um Verurteilungen handelt, vom Richter nicht ignoriert werden können. Sie dienen als Indikatoren für die Persönlichkeit des Angeklagten und seine Fähigkeit, die Normen zu respektieren, und fallen unter die Beurteilung der "kriminellen Neigung" und des "vorherigen Verhaltens", die in Art. 133 StGB vorgesehen sind. Einer Person mit solchen Vorstrafen könnte, auch ohne rechtskräftige Verurteilungen im Strafregister, die Nichtnennung verweigert werden. Die Rechtsordnung belohnt diejenigen, die einen tadellosen Lebensweg nachweisen, nicht nur formal frei von rechtskräftigen Verurteilungen.
Die Folgen dieses Urteils sind für die juristische Praxis von erheblicher Bedeutung. Es ist unerlässlich, nicht nur rechtskräftige Verurteilungen, sondern die gesamte gerichtliche Geschichte zu berücksichtigen, einschließlich Situationen, die mit weniger schwerwiegenden Ergebnissen abgeschlossen wurden. Diese Entscheidung verstärkt ein Prinzip der Strenge bei der Gewährung von Strafvorteilen und bewertet die soziale Zuverlässigkeit des Verurteilten. Diese Ausrichtung fügt sich in eine gefestigte Rechtsprechung ein, wie sie zeigt:
Diese Präzedenzfälle zeigen eine interpretatorische Kohärenz des Obersten Gerichtshofs, der eine Gesamtbeurteilung des Lebenswegs der Person verlangt, die nicht auf die bloße Abwesenheit rechtskräftiger Verurteilungen beschränkt ist, sondern sich auf jede Manifestation der Nichteinhaltung von Strafnormen erstreckt.
Das Urteil Nr. 22356 von 2025 des Obersten Kassationsgerichtshofs festigt die Auslegung der Kriterien für die Nichtnennung der Verurteilung im Strafregister. Indem es die Relevanz von Einstellungen und Nichtbestrafungen wegen besonderer Geringfügigkeit der Tat hervorhebt, bekräftigt der Oberste Gerichtshof die Notwendigkeit einer eingehenden Beurteilung der Persönlichkeit des Verurteilten und überwindet die formale Angabe der Eintragung. Dieser Ansatz gleicht den erzieherischen Zweck der Strafe mit dem Schutz der Gemeinschaft aus. Für Strafrechtsexperten ist dies ein Aufruf, jede Nuance der gerichtlichen Geschichte zu berücksichtigen, um die Entscheidungen der Richter besser zu verstehen und zu handhaben.